Zum Inhalt springen

Dänische Traditionen im Laufe des Jahres

Aus skandinavien-wiki.net
Zeitraum Ereignis Beschreibung
6. Januar Heilige Drei Könige Das Fest wurde 1770 als offizieller Feiertag abgeschafft. Den Abend davor, am 5. Januar, begehen einige Familien mit einer Heilige-Drei-Könige-Kerze, einer Kerze mit drei Flammen, die nach dem Abbrennen mit einem Knall erlischt. Das Erlöschen gilt als Ende der Weihnachtszeit. An einzelnen Orten ziehen am Abend Verkleidete von Haus zu Haus.
14. Februar Valentinstag Nach amerikanischem Vorbild wird der Valentinstag in Dänemark seit Anfang der 1990er Jahre gefeiert, vor allem von jungen Menschen und Verliebten. Üblich sind Herzen aus Blumen, Schokolade oder Gebäck.
21. Februar Pers Aften Pers Aften ist ein Volksfest an der südwestjütländischen Küste mit großem Feuer und Reden, unter anderem auf Rømø. Das Feuer soll den Winter vertreiben. Der Ursprung ist umstritten, oft wird er in heidnischen Opferfesten gesehen. Seit dem 17. Jahrhundert war es das Abschiedsfest der Seeleute, die auf Walfängern nach Grönland fuhren. Der Walfang brachte der kargen Insel erstmals Reichtum, in der Blütezeit stellte Rømø bis zu 40 Kommandeure. Weder Datum noch Herkunft habe ich neu belegt.
Februar/März Fastnacht (Fastelavn) Der Fastnachtssonntag liegt sieben Wochen vor Ostern und fällt damit frühestens auf den 1. Februar und spätestens auf den 7. März. Der Name bedeutet „Fastenabend“, den Abend vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch begann. Ursprünglich war es ein Fest der Erwachsenen mit Festessen ab dem Fleischsonntag. Nach der Reformation, die die Fastenpflicht abschaffte, ging das Fest bis zum folgenden Sonntag weiter, mit Umzügen zu Pferd, Wettkämpfen und Schauspielen, in denen Winter und Sommer um die Vorherrschaft kämpften.

Heute ist die Fastnacht ein Kinderfest. Die Kinder verkleiden sich, meist am Fastnachtssonntag, und sammeln mit Büchsen Geld. Sie bekommen es, wenn sie an der Tür singen:

„Boller op, boller ned, boller i min mave, hvis jeg ingen boller får, så laver jeg ballade.“ (Wecken rauf, Wecken runter, Wecken in meinen Bauch, wenn ich keine Wecken krieg, dann mache ich Krawall.)

Früher gab es statt Geld die Fastnachtswecken, weil gutes Brot für viele nur selten auf den Tisch kam. Die Wecken (fastelavnsboller) gibt es in den Wochen um Fastnacht weiter in den Bäckereien. Viele schmücken die Wohnung oder beschenken die Kinder mit Fastnachtsruten, Zweigen mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Die Rute war ursprünglich ein Fruchtbarkeitssymbol, der aufgeblühte Zweig steht für den kommenden Frühling.

Beim „Katze aus der Tonne schlagen“ schlagen die Kinder mit Stöcken auf eine aufgehängte Tonne mit Süßigkeiten. Wer sie zerschlägt, wird Katzenkönig oder Katzenkönigin. Der Brauch kommt daher, dass die Katze im Volksglauben das Tier der Hexen und Dämonen war. Zur Fastnacht, wenn die Vorbereitungen für die Aussaat begannen, wollte man das Böse vertreiben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts steckte man dazu eine lebende Katze in die Tonne.

März/April Ostern Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond nach der Tagundnachtgleiche (21. März). Ostern kann daher frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fallen. In der dänischen Volkskirche unterscheiden sich die Feiertage um Ostern vor allem durch die Auswahl der Texte. Feiertage sind Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag.

1991 wurde der letzte Rest der alten Feiertagsgesetzgebung abgeschafft, die Veranstaltungen verbot, die den Gottesdienst stören konnten. Seitdem sind öffentliche Unterhaltung erlaubt und bestimmte Geschäfte dürfen öffnen. Donnerstag bis Montag ergeben fünf freie Tage in Folge, und weil manche Schulen auch die übrigen Tage der Karwoche freigeben, sind bis zu zehn freie Tage möglich. Die meisten Dänen sehen Ostern deshalb als Urlaub. In einer landesweiten Umfrage von 2000 war 48 % am wichtigsten, Ostern mit der Familie zu verbringen, 37 % sahen es als Urlaub und nur 10 % nannten Kirchgang und christliche Botschaft. Viele nutzen die Tage, um die Ferienhäuser für den Sommer herzurichten, im Garten zu arbeiten oder Balkonkästen zu bepflanzen.

Ostertraditionen: Wohnungen und Geschäfte werden grün und gelb geschmückt, mit frisch aufgeblühten Zweigen und Osterglocken. Wichtigstes Symbol ist das Ei, ausgeblasen und gefärbt, aus Zucker oder Schokolade. Dazu kommen kleine Hühner und Küken und der Osterhase, der früher fast nur nahe der deutschen Grenze verbreitet war. Typisch dänisch sind die Osterbriefe (gækkebreve): Kinder schneiden Papierbriefe aus und schreiben einen Ratevers, unterschrieben mit Punkten, die der Zahl der Buchstaben ihres Namens entsprechen. Wer den Absender nicht errät, schuldet ein Schokoladenosterei. Dem Brief liegt ein Schneeglöckchen bei, die erste Blume des Jahres.

Gegessen werden Eier in vielen Varianten, dazu Hähnchen, Lamm und frisches Gemüse. Das Mittagessen mit Familie und Freunden ist die übliche dänische Mahlzeit mit Hering und anderem Fisch, kleinen warmen Gerichten, Aufschnitt und Käse, dazu Bier und Schnaps. Die Brauereien stellen ein stärkeres Osterbier her. In der bäuerlichen Kultur war Ostern vor allem ein Frühlingsfest, an das sich viel Wetteraberglaube knüpfte.

April/Mai (bis 2023) Store Bededag Der Große Buß- und Bettag lag auf dem vierten Freitag nach Ostern, also zwischen 17. April und 21. Mai. Er wurde 1686 gesetzlich festgelegt und fasste mehrere Fasten- und Bußtage zusammen. Handel und Arbeit mussten ruhen, deshalb backten die Bäcker Weizenbrötchen, die man aufbacken und auch am nächsten Tag essen konnte. Die warmen Weizenbrötchen am Vorabend und am Tag selbst wurden zur Tradition. In Kopenhagen spazierte man außerdem auf den Wällen von Christianshavn, um die Glocken zu hören, die den Feiertag am Vorabend einläuteten. Dieser Brauch geht auf 1747 zurück, als Vor Frue Kirke ein neues Glockenspiel bekam.

Seit 2024 ist Store Bededag kein Feiertag mehr. Die Regierung strich ihn per Gesetz, Angestellte mit festem Monatsgehalt werden für die längere Arbeitszeit ausgeglichen, Stundenlöhner verlieren den Feiertagszuschlag.[1] Wie weit die Bräuche rund um den Tag noch gepflegt werden, habe ich nicht geprüft.

30. April Walpurgisnacht Der Walpurgistag (1. Mai) geht auf die englische Heilige Walburga zurück, die nach dem Volksglauben vor Zauberei und Hexerei schützte. Am Vorabend feierte man früher das Nahen des Sommers mit großen Feuern und tanzte um aufgestellte Maibäume. An einigen Orten werden bis heute Feuer entzündet.
1. Mai Tag der Arbeit Der 1. Mai ist der internationale Kampf- und Festtag der Arbeiter und an vielen Arbeitsplätzen frei. In vielen Städten gibt es nach einem Umzug am frühen Nachmittag Veranstaltungen, eine Mischung aus Volksfest, politischen Reden und Unterhaltung. Die größte findet im Fælledparken in Kopenhagen statt. Der Tag ist heute mehr Feier- als Kampftag.
5. Mai Befreiung Dänemarks Deutschland besetzte Dänemark am 9. April 1940, die Befreiung kam am 5. Mai 1945. Als die BBC die Nachricht am 4. Mai 1945 um 20.30 Uhr sendete, stellten viele Menschen spontan Kerzen in die Fenster. Viele Dänen pflegen diesen Brauch bis heute.
5. Juni Verfassungstag (Grundlovsdag) Am 5. Juni 1849 trat die erste dänische Verfassung in Kraft, die Juniverfassung. Der Tag ist vielerorts ganz oder halb arbeitsfrei, mit politischen Treffen, die früher Volksfestcharakter hatten, etwa auf dem Himmelbjerget oder der Skamlingsbanken in Jütland. Zugleich ist der 5. Juni Vatertag, der 1935 aus den USA übernommen wurde.
15. Juni Waldemarstag (Flaggentag) Der Legende nach fiel an diesem Tag 1219 in der Schlacht bei Lyndanise (heute Tallinn in Estland) die Nationalflagge Dannebrog vom Himmel, als König Valdemar II. Sejr einen Kreuzzug führte. Die Legende ist erst rund 300 Jahre später belegt, die zeitgenössische Quelle erwähnt die Flagge nicht. Der Tag ist ein Gedenktag, kein Feiertag. Seit 1913 werden kleine Dannebrog-Fähnchen verkauft, mit dem Erlös unterstützt der Verein Danmarks-Samfundet die Beschaffung von Fahnen. Bis 1948 war der Tag schulfrei und es gab Valdemar-Feste.[2]
23. Juni Johannisabend (Sankt Hans) Der Abend vor dem Geburtstag Johannes des Täufers ist eines der beliebtesten Feste des Jahres. Man isst mit Familie und Freunden zu Abend und geht bei gutem Wetter zu einem Festplatz. Dort wird am späten Abend ein Holzstoß mit einer Hexenpuppe auf der Spitze angezündet. Vorher hält meist eine bekannte Person die „båltale“, danach singt man die „Midsommervise“ von Holger Drachmann (1885).

Die Sommersonnenwende fällt auf den 21. Juni, als Mittsommerabend gilt aber der 23. Dem Volksglauben nach hatte die Nacht besondere Kraft, und die Hexen flogen auf dem Weg zum Blocksberg vorbei. Um das Böse fernzuhalten, entzündete man Feuer auf Anhöhen. Die Hexenpuppe auf dem Holzstoß ist erst im 20. Jahrhundert üblich geworden.

10. November Mortens Aften Am Vorabend des Gedenktags des Heiligen Martin am 11. November gibt es bei vielen Dänen Enten- oder Gänsebraten. Der Legende nach verriet das Schnattern von Gänsen den Martin, der sich aus Bescheidenheit versteckte, um nicht Bischof zu werden. Deshalb sollen die Gänse an diesem Tag sterben.
Dezember Der Weihnachtsmonat Im Dezember stehen die Einkaufsstraßen voller Tannengirlanden und Lichter, auf Plätzen stehen beleuchtete Weihnachtsbäume. Der erste beleuchtete Baum auf dem Rathausplatz in Kopenhagen soll 1914 gestanden haben, das habe ich nicht neu belegt.

Advent: Die meisten Familien zünden jeden Tag eine Kalenderkerze an und an den vier Sonntagen vor Weihnachten den Adventskranz. Die Kalenderkerze mit den Zahlen des Dezembers ist eine dänische Erfindung. 1935 kam man auf die Idee, solche Kerzen mit den Kindern zu basteln, seit 1942 werden sie industriell hergestellt. Der Adventskranz setzte sich durch, nachdem er 1946 auf dem Weihnachtsmarken-Motiv (julemærke) stand, das jedes Jahr vor Weihnachten erscheint. Die vier Kerzen stehen für die vier Adventssonntage. Das Kirchenjahr beginnt am ersten Advent, zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember. Für die Kinder gibt es Adventskalender mit 24 Türchen oder 24 kleinen Päckchen.

Lucia, 13. Dezember: In Pflegeheimen, Krankenhäusern, vielen Schulen und Kindergärten zieht eine Gruppe meist weiß gekleideter Mädchen durch die Gänge und singt das Santa-Lucia-Lied, voran die Lucia-Braut mit einem Kerzenkranz. Der Brauch kommt aus Schweden und wurde 1944 während der deutschen Besetzung von der Gesellschaft Foreningen Norden eingeführt.

Julefrokost: Die Weihnachtsfeier im Betrieb gibt es an den meisten Arbeitsplätzen seit den 1940er Jahren. Man isst ein typisch dänisches Mittagessen mit besonderen, teils regionalen Gerichten und trinkt Bier, Schnaps oder Wein. Die Brauereien stellen stärkere Weihnachtsbiere her. Weil viel getrunken wird, gelten die Regeln des Alltags dort lockerer, auch gegenüber der Hierarchie. Bei anderen Anlässen gibt es Glühwein (gløgg), der aus Schweden kommt, und Apfelkrapfen (æbleskiver), die seit dem 17. Jahrhundert zum Festessen gehören. Viele Familien fällen an einem der letzten Sonntage vor Weihnachten ihren Baum selbst und treffen sich danach zu einem solchen Schmaus.

Weihnachtsschmuck: Die meisten Haushalte schmücken mit Tannengrün, Kerzen und, wo Kinder leben, vielen Heinzelmännchen (nisser). Der Baum wird am Vorabend oder am 24. Dezember selbst geschmückt, mit Glaskugeln, Papierherzen und Tütchen, Lametta, Girlanden aus Dannebrog-Fähnchen und Kerzen oder elektrischen Lichterketten. Seit den Kriegen gegen Deutschland und dem erwachenden Nationalbewusstsein im 19. Jahrhundert prägen Rot und Weiß den Schmuck.

Der erste Weihnachtsbaum in Dänemark soll 1808 auf dem Gut Holsteinborg in Südseeland gebrannt haben. 1811 führte Martin Lehmann den Brauch in Kopenhagen ein, um 1900 war er in den meisten Familien üblich. Die Verbreitung lässt sich in Märchen von Hans Christian Andersen verfolgen, in denen ein Weihnachtsbaum vorkommt: „Hyldemoer“ (Fliedermütterchen, 1844), „Grantræet“ (Der Tannenbaum, 1844), „Den lille pige med svovlstikkerne“ (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern, 1848), „Tolv med posten“ (Zwölf mit der Post, 1861) und „Krøblingen“ (Der Krüppel, 1872). Das Jahr von „Hyldemoer“ habe ich nicht neu belegt, „Grantræet“ erschien 1844.[3][4] Vor Weihnachten backt man Plätzchen und stellt Konfekt her, das älteste dänische Weihnachtsgebäck sind die Pfeffernüsse.

Die Weihnachtstage: Zum Fest gehören Heiligabend (24. Dezember) und die beiden Weihnachtstage am 25. und 26. Dezember. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. In einer Gallup-Umfrage von 1998 war 78 % das Zusammensein mit der Familie wichtig. Viele besuchen am Heiligabend den Gottesdienst, einer der wenigen Kirchenbesuche im Jahr.

Der Heiligabend beginnt in den meisten Familien mit dem Abendessen: Gans, Ente oder Schweinebraten mit Rotkohl und karamellisierten Kartoffeln. Dazu kommt Milchreis, als Vorspeise oder kalt als ris à l'amande mit gehackten Mandeln und Kirschsauce. In der Portion versteckt ist eine ganze Mandel, wer sie findet, bekommt das Mandelgeschenk, früher ein Marzipanschwein. Zum Hauptgericht trinken die meisten Rotwein, zum Nachtisch Dessertwein, zum Milchreis mancherorts Malzbier.

Dann zündet man die Lichter am Baum an und „tanzt um den Weihnachtsbaum“, man geht Hand in Hand um den Baum und singt Weihnachtslieder. Danach werden die Geschenke verteilt. In Familien mit Kindern kommt manchmal ein verkleidetes Familienmitglied als Weihnachtsmann. Früher brachte der nisse, ein alter Hausgeist, die Geschenke, der im 19. Jahrhundert mit Weihnachten verknüpft wurde. Der Weihnachtsmann kam Ende des 19. Jahrhunderts auf Postkarten von Auswanderern aus Amerika und übernahm nach und nach die Rolle. An den Weihnachtstagen isst man mittags in der Familie dieselben Gerichte wie sonst im Dezember, nur mit mehr regionaler Küche, etwa Weiß- und Grünkohl und verschieden zubereitetem Schweinefleisch.

Früher dauerte Weihnachten vom Vorabend des 24. Dezember bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. Heute endet es im Großen und Ganzen nach den Feiertagen, die Geselligkeit hat sich in den Dezember davor verlagert.

Einzelnachweise

  1. ↑ Det betyder afskaffelsen af Store Bededag for dig. Altinget, abgerufen am 20. Oktober 2026 (dänisch).
  2. ↑ Valdemarsdag. lex.dk, abgerufen am 20. Oktober 2026 (dänisch).
  3. ↑ Juletræ. lex.dk, abgerufen am 20. Oktober 2026 (dänisch).
  4. ↑ The Fir-Tree. Wikipedia, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
MediaWiki spam blocked by CleanTalk.