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Die Wikinger in Dänemark

Aus skandinavien-wiki.net
Wikinger-Darsteller des 10. Jahrhunderts

Das Wort „Wikinger“ geht sehr wahrscheinlich auf das altnordische víkingr zurück, das Seeräuber oder einen Mann auf Beutefahrt bezeichnet. Warum die Nordmänner so genannt wurden und wer das Wort zuerst benutzte, ist ungeklärt. Eine Deutung leitet es von vík ab, der kleinen Bucht, eine andere von víkja (weichen, sich fortbewegen) im Sinn einer Reise von zu Hause. Das Wort ist älter als die Wikingerzeit und steht bereits im angelsächsischen Gedicht Widsith im Exeter-Book aus dem 10. Jahrhundert. Wikinger waren berüchtigte Räuber, sie siedelten und handelten aber ebenso friedlich.

Die Wikingerzeit ist der jüngste Abschnitt der skandinavischen Eisenzeit und wird meist von etwa 800 bis 1050 gerechnet. Mit „Wikinger“ ist der Teil der Normannen gemeint, der auf Heerfahrt ging.

Handelsplätze wie Haithabu bei Schleswig förderten den Austausch zwischen Skandinaviern, Slawen, Sachsen und Franken. Die Siedlung wurde 1066 bei einem Überfall slawischer Truppen zerstört.[1] Eine frühere Zerstörung durch Harald Hardrada um 1050 habe ich nicht geprüft. Weitere Handelszentren für den Handel mit dem Baltikum und Osteuropa waren das schwedische Birka und die Insel Gotland.

Zu den wichtigsten zeitgenössischen Quellen zählt die Geschichte des Erzbistums Hamburg von Adam von Bremen aus der Zeit um 1076, die als erste schriftlich das Vinland erwähnt. Der Franke Gregor von Tours berichtet in seiner Historia Francorum von einem Überfall auf Gallien um das Jahr 517: Der Dänenkönig Chlochilaichum plünderte mit einer Flotte das Gebiet des Frankenkönigs Theoderich I. Als er am Strand auf die Flut warten musste, konnte Theoderichs Sohn Theudebert ihn töten, die Dänen im Seegefecht besiegen und die Beute zurückholen. Als Beginn der Wikingerzeit gilt der Überfall auf das Kloster Lindisfarne an der Nordostküste Englands 793.

Etwa zwei Jahrhunderte lang berichten die europäischen Quellen von Plünderungen. Wikinger besetzten Teile Irlands und Englands, fuhren die Flüsse Frankreichs und Spaniens hinauf, kontrollierten Gebiete im Baltikum und in Russland und überfielen Küsten im Mittelmeer. Auf Flüssen kamen sie bis Paris und nach Kiew. Archäologische Funde belegen, dass sie Nordamerika erreichten: Auf der Anlage L'Anse aux Meadows in Neufundland wurden 1021 Bäume mit Metallwerkzeugen gefällt. Das Jahr ließ sich mit Jahrringen und einem Radiokohlenstoff-Ausschlag von 993 bestimmen, es ist das einzige gesicherte Kalenderdatum für Europäer in Nordamerika vor Kolumbus.[2] Wie lange sie blieben, ist offen.

Die Normannen

Um 911 überließ der französische König Karl der Einfältige dem Wikinger Rollo und seinen Leuten im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte die Normandie als Lehen, nachdem sie das Seine-Gebiet rund um Paris verwüstet hatten. Sie sollten das Land vor weiteren Wikingerüberfällen schützen. Wegen ihrer Herkunft hießen sie Nordmänner oder Normannen, daher der Name der Normandie. Sie nahmen die französische Sprache an und entwickelten im Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung eine neue Identität. Die Eroberung Englands 1066 durch Herzog Wilhelm den Eroberer und die Ausbreitung der Normannen bis nach Sizilien gehören zur Geschichte der Normannen.

Die dänischen Wikinger

Die Dänen fuhren nach Süden und Westen, nach Friesland, Frankreich und ins südliche England. Sven Gabelbart eroberte 1013 England, sein Sohn Knut der Große wurde nach dem Sieg bei Assandun 1016 König von England, später auch von Dänemark und 1028 von Norwegen. Den Grundstein des Großreichs hatte schon Knuts Großvater Harald Blauzahn gelegt. Nach Knuts Tod 1035 zerfiel das Reich.

Die Wikingerschiffe

Wikingerschiffe wurden ohne Baupläne gebaut, nach dem überlieferten Wissen der Werftleute. Man unterscheidet Langschiffe, die Kriegsschiffe, und Handelsschiffe, die Knorren. Langschiffe konnten schnell und unerwartet angreifen und sich zurückziehen, bevor ein Gegenschlag organisiert war. Die Planken waren überlappend in Klinkerbauweise verbaut und mit Nieten verbunden. Holzteile wurden mit Beilen entlang der Maserung gespalten, die Planken nicht gesägt, das machte die Schiffe fest und belastbar.

Langschiffe wurden gerudert und gesegelt und hatten einen umlegbaren Mast. Ihr geringer Tiefgang erlaubte es, auch auf Flüssen weit ins Landesinnere vorzudringen. Die Rekonstruktion „Havhingsten fra Glendalough“ des Wikingerschiffsmuseums in Roskilde ist 29,3 m lang, 3,8 m breit und hat 0,95 m Tiefgang. Für sie werden unter Segeln im Mittel 6 bis 8 Knoten angegeben, im Höchstfall bis 17 Knoten, unter Rudern im Mittel 2,5 Knoten. Das sind Schätzungen, gemessen wurden sie nicht.[3]

Die Handelsschiffe waren breiter und höher als die Langschiffe. Mit ihnen fuhren die Wikinger zu Entdeckungsfahrten nach Grönland und zum Handel nach Russland. Das Steuerruder saß rechts, daher kommt der Begriff Steuerbord. Viele Begriffe der Seefahrt gehen auf die Wikinger zurück. Für Navigation nach der Sonne und die Kenntnis der Gezeiten gibt es Hinweise, die Deutung eines Fundes als Kompass ist umstritten.

Gründe für die Expansion

Einige Forscher sehen als Grund eine Überbevölkerung durch technischen Fortschritt wie die Verwendung von Eisen und ein milderes Klima ab etwa 800. Andere vermuten den Druck der fränkischen Expansion. Einige europäische Länder, besonders England, Wales und Irland, waren durch innere Unruhen leichte Beute, das Frankenreich hatte dagegen gut verteidigte Küsten und befestigte Häfen. Auch Abenteuerlust kann eine Rolle gespielt haben.

Mythologie und Literatur

Die germanische Mythologie und die altnordische Literatur berichten von der heidnischen Religion und ihren Helden. Das bedeutendste Zeugnis ist die Edda, die Ältere und die Jüngere Edda. Thor war allgemein der wichtigste Gott, regional wichtiger als Odin, der Göttervater. Im Gebiet des heutigen Schwedens verehrte man Freyr, sein Hauptheiligtum lag im heutigen Uppsala. Eine Priesterkaste gab es nicht, kultische Aufgaben übernahmen Anführer, die Goden.

Sitten und Gebräuche

Auf Raubzügen nahmen die Wikinger Gefangene mit und machten sie zu Sklaven (thralls). Mit ihnen wurde bis in den Vorderen Orient gehandelt.

Ende der Wikingerzeit

Der Widerstand in Teilen Europas wurde wirksamer, die Christianisierung Skandinaviens führte zu milderem Verhalten. Dazu festigten sich die Königreiche Norwegen, Dänemark und später Schweden, deren Könige friedlichere Verhältnisse wollten.

Einzelnachweise

  1. ↑ Haithabu: Das Tor zur Wikingerzeit. Planet Wissen, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  2. ↑ Researchers pinpoint when the Vikings came to Canada. It was exactly 1,000 years ago. NPR, 21. Oktober 2021, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Sea Stallion from Glendalough. Vikingeskibsmuseet Roskilde, abgerufen am 20. Oktober 2026 (englisch).
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